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        324 
An 
M 
Sr. Eyz. Br. Conrad 
So Excellenz Graf Hans Wilczek 
hat mir mitgetheilt, daß er mit Euer Excell. 
in der Angelegenheit Hecht bereits gesprochen 
hat. Ich erlaube mir nun zur Orientirung 
folgendes mitzutheilen: 
Wie bekannt, ist Herr Wilhelm 
Recht einer der hervorragendsten Vertreter der 
Münchener prophechen Kunst. Durch den Gra- 
fen Hans Wilczek wurde derselbe eingeladen 
an dem großen kronprinzlichen Werke theil. 
zunehmen, was selbst, da das Werk auf Jahre 
hinausgeht voraussetzt, daß der Künstler sei- 
nen bleibenden Aufenthalt in Wien nimmt 
Da Herr Hecht ein ungewöhnlich begabter Künst- 
ler und auch sonst eine außerordentlich liebens- 
würdige Persönlichkeit ist, so ist es außer 
allen Zweifel daß die Staatsdruckerei sowie 
die Kunstgewerbeschule sich mir gratuliren 
könnten, wenn es gelingen würde einen 
Künstler wie Hecht nach Wien zu ziehen. 
Daß die Staatsdruckerei das Bedürfniß fühlt 
sich mit Kunstautoritäten zu umgeben, weiß 
ich schon seit längerer Zeit; insbesondere jetzt 
tritt dieses Bedürfniß stärker hervor, wo 
das große Werk vom Kronprinzen im Verlag- 
der Staatsdruckerei erscheint. 
Wenn Eure Excell. sich erinnern, so 
habe ich in meinem Aufsatz über die graphische
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        Ausstellung im vorigen Jahre betont, daß 
seine alte Bedeutung 
der Holzschnitt auf dieser Ausstellung gewonnen 
hat und zwar nicht in den Augen speculirender 
Verleger, welche erfüllt von den neuen mechani- 
schen Reproduktionsverfahren den alten Holzschnitt 
als eine veraltete Kunsttechnik gerne in die 
historische Rumpelkammer werfen wollten, und 
daß der Münchener Künstler Hecht dem Holzschritt 
ein volles Verständniß entgegenbringe. Weiteres 
habe ich da hervorgehoben, daß es sich in Oesterreich 
vor allem darum handeln wird, ob es hier vollgil- 
tige Künstler gibt, die sich dem Holzschnitte erfolg- 
rech widmen, und ob es Staatsanstalten gibt, 
welche ihrer ganzen Organisation nach berufen 
sind, die zeichnenden Künste als selbständige 
Fächer zu pflegen. Daß die k.k. Staatsdruckern 
und die Kunstgewerbeschulen, speziel die Kunſtge- 
werbeschule des Museums als solche Anstalten 
zu bezeichnen wären, unterliegt keinem Zweifel. 
Bei den verschiedenen Besprechungen, 
welche ich in dieser Angelegenheit mit Herrn 
Hofrath Beck hatte, hat mir derselbe wiederholt 
erklärt, daß 
1.) in der Staatsdruckerei passende Localitäten für 
die Unterbringung eines grashischen Ateliers in 
hinreichender Weise vorhanden sind, und 
2.) daß er sich überzeugt hält, der Finanzminister
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        bereit sein wird alle Opfer zu bringen, welche 
durch die Berufung Hecht's und die Einrichtung 
eines graphischen Ateliers erforderlich sein werden. 
Ob sich namentlich in letzterer Be- 
ziehung Hofrath Beck nicht allzusehr optimistischen 
Ideen hingibt weiß ich nicht, fürchte es aber, weil 
das große Werk des Kornprinzen, namentlich die 
darin vorkommenden Illustrationen ungewöhnlich 
bedeutende Geldmittel in Anspruch nehmen werden. 
Daß, wie in den Zeitungen erzählt wird, der Erlös 
aus dem Verkaufe des Werkes die Kosten desselben 
decken werde, ist wohl ein Wunsch alter Jener 
die an dem Zustandekommen des Werkes mehr 
oder weniger betheiligt sind, aber die Erfüllung 
dieses Wunsches muß wohl als sehr fraglich bezeich- 
net werden. 
Die Bedingungen, welche Herr Hecht 
stellt sind an und für sich höchst anständige 
und mäßige, denn ich habe gefürchtet, daß er 
viel größere Ansprüche erheben wird. 
Schließlich muß ich noch darauf aufmerksam 
machen, daß es auch hier in Wien hochachtbare 
Männer gibt welche Besitzer von graphischen Atte- 
tiers gibt wie die Herren W. Bader Cromoxilo- 
grasch Paar, das Institut von Angerer &amp; Goschl 
und jenes von Klić und ich zweifle gar nicht 
daß die artistische Leitung für die Herausgabe
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        des kronprinzlichen Werkes diese Kräfte 
benützen wird. 
Indem ich noch bemerke, daß die 
Illustrationstechnik heutigen Tages von gro¬ 
volkswirthschaftlich von höchster Bedeutung ist 
bitte ich Euer Excellenz diese Mittheilungen 
als vertrauliche zu betrachten und zeichne et 
etc.
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